Spätestens beim dritten Bier kommt es im Gespräch zwischen Musikern immer wieder hoch. Es geht natürlich um das leidige Thema Streaming und der Gratismentalität.

Nicht dass ich es besonders toll finde, wie wenig die Musik heute heute noch wert ist. Ganz im Gegenteil, die digitale Gesellschaft hat heute nun einmal Millionen von Songs immer bei sich. Da ist es halt besonders schwer sich neue Fans zu erspielen. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass auch dieses Problem irgendwann kein so großes mehr sein wird. Wir mussten uns ständig auf neue Herausforderungen einstellen. Ich selbst spreche da im Übrigen aus Erfahrung. Als gelernter Drucker musste ich irgendwann von vorne anfangen. Jammern war da nicht zielführend.

Zurück zum Thema. Streaming ist nach wie vor DAS Reizthema bei den Musikern. Das wird sicherlich auch noch eine lange Zeit so bleiben, zumindest so lange, bis wieder Geld verdient wird. Nur wie und womit schaffen wir es, dass Musik wieder etwas wert ist? Ich nehme es mal vorweg und lehne mich etwas aus dem Fenster.

Apple Music wird (wieder einmal) die Musikindustrie massiv verändern

Ok, ich höre euch schon stöhnen und mich als Spinner abstempeln. Kann ich sogar verstehen, aber ich kann meine Überzeugung durchaus begründen. Apple kann auf 800 Millionen iTunes Accounts zugreifen denen Kreditkartendaten hinterliegen. Apple selbst hofft davon 100 Millionen Accounts für ihren neuen Streaming Service zu gewinnen. Machen wir einfach mal eine Rechnung:

100 Mio. Accounts x 10 Dollar x 12 Monate = 12 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Davon bekommt die Musikindustrie durchschnittlich ca. 58 %, also ca. 7 Milliarden Dollar. Heißt also, dass die Musikindustrie (rein theoretisch natürlich) wieder den weltweiten Jahresumsatz von 2005 erreichen würde.

Einnahmen der Musikindustrie weltweit

via: musicbusinessworldwide

Klar, so einfach wird das Ganze sicherlich nicht werden. Schließlich werden die User nicht mehrere Accounts besitzen bei denen sie 120 Dollar oder EUR im Jahr lassen. Spotify, Deezer & Co. werden ihre User abspringen und zu Apple wechseln. Nicht ohne Grund war der erste Kommentar des Spotify Chefs bei der Veröffentlichung von Apple Music dieser hier:

Reaktion per Twitter des Spotify CEO zu Apple Music

Mittlerweile wurde der Tweet wieder gelöscht. Irgendwie ja auch verständlich, denn der Tweet macht mehr als deutlich was das für Auswirkungen auf Spotify nach dem Vertragsleak mit Sony haben wird.

Apple Music ist das nächste, richtig große Ding

Die oben genannten Zahlen sprechen zwar eine deutliche Sprache, aber das wird meiner Meinung nach nicht das Problem lösen. Viel wichtiger erscheint mir da das neue Feature Apple Connect. Hier hat Apple eine direkte 1:1 Kommunikation der Musiker mit den Fans integriert. Im Unterschied zu Facebook könnt ihr hier also direkt mit zahlenden Kunden sprechen. Du kannst deinen Fans die Lyrics erklären, Fotos hochladen, Videos zur Verfügung stellen und direkt Antworten von ihnen bekommen. Damit lässt haben wir Musiker zum ersten Mal ein Tool in der Hand was richtig mächtig ist. Das was Bandcamp, Facebook & Co früher war ist Apple Connect heute, nur viel viel mächtiger. Wer hier frühzeitig gute Arbeitszeit investiert könnte sehr schnell zu wirklich interessanten Einnahmen kommen.

Auch Facebook wird das zu spüren bekommen, denn mit Apple Connect wird die Fanpage immer uninteressanter. Als Unabhängiger kommt dazu natürlich noch, dass sowieso viel zu wenig Zeit vorhanden ist. 🙂

Apple Music und die Musikindustrie

via Takelessons

Probleme die noch zu lösen sind

Apple wird die Musikindustrie sicherlich noch nicht retten. Ich persönlich glaube auch nicht, dass diese angenommenen 7 Milliarden Dollar Jahresumsatz tatsächlich eintreffen. Denn durch die neuen Streamingnutzer werden wieder weniger CD´s usw. verkauft werden. Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass nur wenige Musikfans früher 120 EURO im Jahr für Musik ausgegeben haben. Es ist also durchaus eine hohe Bereitschaft vorhanden Geld für Musik auszugeben.

Das andere Problem ist das immer noch falsche Abrechnungsmodell.

Wenn ein Kunde jeden Monat 10 EUR an Apple überweist und den ganzen Monat lang nur 3 Bands hört, dann müssen diese 3 Bands auch die Einnahmen unter sich aufteilen dürfen.

Leider ist das aber nicht so und das ist für mich auch der Hauptgrund warum die Musiker nach wie vor zu wenig Einnahmen durch das Streaming haben.

Fazit

Ich will die Wolken gar nicht rosarot malen, aber eines ist für mich klar. Hier kommt einiges auf uns Musiker zu und wenn wir hier mal fleißig ans Werk gehen und unsere Fans richtig betreuen, dann haben wir auch sehr gute Chancen auf schöne Einnahmen. Die großen Labels werden es in Zukunft noch schwerer haben. Die Vermarktung übernehmen immer mehr Künstler selbst und zahlen nicht mehr freundlich den größten Teil ihrer Einnahmen an die Labels.

Klingt doch gut, oder was sagst du dazu?

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