Die Musik ist nach wie vor viel wert

Ihr kennt das, oder? Alles ist so böse. Das Internet war schon immer an allem schuld und nun noch diese ganzen neuen Dienste wie Spotify & Co. Alles geht den Bach runter. Die Musik ist nichts mehr wert und überhaupt….

Fehlt eigentlich nur noch der Spruch „Früher war alles besser“ Spätestens dann steige ich aus der Diskussion aus. Ich kann es einfach nicht mehr hören. Ok, versteht ihr vielleicht nicht, warum ich mich so aufrege, schließlich kennt ihr mich kaum. Also erstmal kurz zu meiner Person.

Ich selbst mache so seit ca. 35 Jahren Musik. Seit 1998 bin ich im Internet sehr aktiv und setze mich seitdem intensiv mit den verschiedenen Kanälen im Bereich Online Marketing auseinander. Angefangen habe ich mit dem Bereich Suchmaschinenoptimierung. Dort habe ich mir einiges an Wissen erarbeitet und viele Jahre darüber gebloggt. Heute ist mein Spezialgebiet der Social Media Bereich. Hier berate ich und entwickle Strategien für internationale Marken, damit diese auf Facebook & Co. erfolgreich sein können. Aber kommen wir einfach mal zum Thema. :-)

Die Musik ist immer noch viel wert

Die Fans wollen nichts mehr für die Musik bezahlen und das ist ok

Ich bin vorsichtshalber schon mal in Deckung gegangen, denn ich weiß ganz genau wie jetzt viele von euch durchdrehen bei diesem Satz. Denken wir einfach mal ein paar Jahre zurück, als diese Krise der Musikindustrie begann. Ab dem Zeitpunkt wo Musik digitalisiert werden konnte und alles verlustfrei kopiert werden konnte, begann ein neues Zeitalter. Die CD´s wurden gerippt und mit der ganzen Welt geteilt. Da die Musikindustrie darauf nicht im entferntesten vorbereitet war, sanken die Verkaufszahlen ins Bodenlose. Raubkopien verteilten sich im Netz rasend schnell und die ersten Exempel wurden statuiert. 12-jährige Jungs wurden zu horrenden Geldstrafen verteilt und durch die Presse getrieben. Alles nur um endlich mal klar zu machen, dass es Diebstahl ist was die Musikfans dort an den Musikern begehen.

So weit, so schlecht. Das was man damit erreichen wollte, ist nie eingetreten. Im Gegenteil, die Verkaufszahlen von CD´s rutschten immer weiter ab. Das Ergebnis war, dass iTunes den digitalen Markt eroberte und plötzlich wurden Downloads sogar bezahlt. Funktionierte dann ein paar Jahre, bis auch das den Usern irgendwann zu teuer war. Es mussten neue Tools und Angebote her, damit der Fan seine Musik günstiger und vor allem einfacher konsumieren konnte. Streaming war die gesuchte Lösung und wächst seitdem rasend schnell.

Streaming ist nicht verantwortlich für die geringen Einnahmen

Eine Aussage ist schnell gemacht. Nimmt man noch ein paar Zahlen dazu, dann sieht alles ganz dunkel aus im Streaming Bereich. Da werden dann ganz fix katastrophale Erlöse durchs Netz getrieben. Versteht mich nicht falsch, ich will diese auch gar nicht positiv quatschen. Ich halte nur die Diskussion für überflüssig solange wir nicht endlich anfangen umzudenken. Infrage sollten nämlich nicht die Streamingdienste sondern die Major Labels gestellt werden, denn die legen die Preise fest und unterschreiben die Verträge mit Spotify & Co. Warum beschwert sich eigentlich kein Star darüber, wie er von seinem Label abgezockt wird? Hier mal ein paar dieser miesen Tricks der Labels, die Rich Bengloff (President der amerikanischen Independent Musik Vereinigung A2IM) dem Billboard Magazin erklärte:

„Universal Music makes the per-stream rate as low as they possibly can so they have to give the artist very little money.”

“Then, on top of that, they have something called a ‚listener hour guarantee,‚ which they know is going to up their compensation by about 40% – since it’s per listener hour, not per track, the artist gets screwed because it’s not attributable to a track, so the artist doesn’t get a royalty

… The third thing they do is get a minimum annual guarantee or an advance if they know the service isn’t going to reach that level of business and be able to recoup – it’s what’s called breakage and they also don’t share that with the artists.

Um das Ganze mal in Zahlen auszudrücken, gehen wir einfach mal davon aus, dass ein Musiker 10.000 Fans hat. Hat er die Songs und Texte geschrieben und alle Rechte daran, dann bekommt er ohne Label ca. 0,008 Dollar je Stream. 12 Songs hat er auf seinem neuen Album und jeder dieser Fans hört jeden Song innerhalb eines Monats 5 mal. Macht dann entsprechend 10.000 x 12 x 5 x 0,008= 4.800 Dollar. Würde es dieses Streaming nun nicht gebe, dann wären seine Einnahmen sicherlich um ein vielfaches höher. Die Rechnung dazu ist noch einfacher: 10.000 x 10 EUR= 100.000 Euro. Klare Sache werden jetzt viele sagen. Vergessen wird dabei allerdings immer wieder, dass die CD einmalig gekauft wird. Vielleicht wird sogar noch kopiert und an die Freunde verteilt. Die Streaming Einnahmen waren allerdings eine monatliche Rechnung. Wir vergleichen schon mal zwei völlig unterschiedliche Dinge miteinander.

Die Musik hat nach wie vor einen großen Wert

Aufgrund der geringen Einnahmen aus dem Streaming Bereich wird sofort geschlussfolgert, dass die Musik keinen Wert mehr hat. Klingt ja auch logisch, wenn wir betrachten, dass es nur noch Cent Beträge sind. Aber auch hier halte ich die Argumentation für völlig falsch und dazu sind die Argumente auch noch nicht mal richtig. Gehen wir noch einmal von den besagten 10.000 Fans aus und ich rede hier natürlich von echten Fans und nicht von Facebook Fans. Wie steht ihr denn dazu?

Wenn ein Fan 120 EUR im Jahr für Streaming ausgibt, dazu ein Shirt bei euch kauft für 25 EUR, dann noch 3 eurer Konzerte besucht für je 10 EUR und sich einmal im Jahr für 100 EUR einen Backstagepass leistet, dann ist dem also eure Musik nichts mehr wert?

Für mich klingt das eher wie ein Arschtritt mit Anlauf für jeden einzelnen Fan. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir uns als Musiker mal ernsthaft ein paar Fragen stellen.

Ist das denn alle so richtig was wir Musiker so machen?

Wir neigen leider dazu alles schlecht zu reden und in tiefe Depressionen zu verfallen. Das ist für uns Deutsche ja nun wirklich nichts Neues. Ich bin mir allerdings sicher, dass die Herangehensweise sicherlich nicht zielführend ist. Es ist höchste Zeit, dass wir selbst mal die Dinge in die Hand nehmen. Möglichkeiten als Musiker online Geld zu verdienen gibt es nun wirklich genug. Nur anscheinend kümmert sich kaum jemand ernsthaft darum.

  • YouTube
  • Spotify
  • Digitale Downloads
  • Lizensierung für Filme etc
  • Sofa Konzerte
  • Exklusivgigs
  • Merchandising

Nur ein paar kleine Beispiele die es an Möglichkeiten gibt. Hier könnt ihr gerne noch ein paar Beispiele von Künstlern nachlesen die ohne Label erfolgreich unterwegs sind und womit sie ihr Geld verdienen. Den CD Verkauf solltet ihr allerdings streichen, denn den gibt es bald nur noch auf euren Gigs und wird weiterhin zurückgehen. Die Musik die ihr den Fans anbietet solltet ihr vielmehr als Eingangstür nehmen um ihn als wirklichen Fan zu gewinnen. Einen der euch, wie oben bereits erwähnt, gerne unterstützt. Die werden euch nämlich auch die nötigen Einnahmen bescheren, sofern ihr einen guten Job macht. Noch mal eine kurze Rechnung dazu?

1.000 Fans geben jedes Jahr 100 EUR für euch aus. Mehr brauche ich dazu sicherlich nicht sagen. Das einzige was wir als Musiker zu tun haben, ist eben 1.000 echte Fans zu gewinnen. Jeden Tag neu und gerne auch noch jeden Tag persönlich abholen. Klingt nach viel Arbeit, aber hey, ihr seid danach weiterhin frei von irgendwelchen Labels die euch über den Tisch ziehen wollen.

Das war es dann auch schon von mir. Nun würde ich mich sehr über eine rege Diskussion freuen. Auf eventuelle persönliche Beleidigungen werde ich allerdings nicht eingehen. :-)

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4 Comments

  1. Stefan 8. Juli 2015 Reply
  2. Petde 9. Juli 2015 Reply
    • Stefan 9. Juli 2015 Reply

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