Momentan gibt es ja hier und dort mal wieder zu lesen wie schwierig es in der Musikindustrie doch geworden ist. Schuld ist wie aktuell überall das Internet und seine Nutzer. Also wir!

„Die Musik ist nichts mehr wert“ ist DIE Aussage, über die ich mich extrem häufig ärgern muss. So gerade von, dem von mir sehr geschätzen Künstler, Herbert Grönemeyer.

Exemplarisch für alle anderen die ins selbe Horn blasen, habe ich mal diesen offenen Brief an ihn verfasst. Vielleicht liest er ihn ja zufällig und lädt mich mal auf ein Pils ein. Ach was, scheiß drauf. Das Pils bezahl ich dann. 🙂

Lieber Herbert,

deine Musik
begleitet mich mittlerweile schon so lange wie ich musikalisch aktiv bin. Ich kenne und schätze dementsprechend sehr viele deiner Songs aus
den Alben. Auch ich gehöre zu deiner Generation, in der alles besser war. 🙂

Nun habe ich mir dieses Video des ORF mit dir angesehen und irgendwie war es an der Zeit, dass ich mich mal auskotzen muss.

Ich entnehme dem Video, dass dein Hauptproblem die aktuelle Mentalität der Gratiskultur im Netz ist. Nun, so einfach ist es meiner Meinung nach dann auch wieder nicht. Damit suggerierst du nämlich, dass die heutigen Musikfans nicht mehr bereit sind für ihre Lieblingsmusik zu bezahlen. Ich würde sogar behaupten, dass das Gegenteil der Fall ist. Sie sind heute bereit viel mehr für ihre Lieblingsband zu bezahlen. Spotify hat momentan 50 Mio aktive User weltweit wovon 12,5 Mio jeden Monat einen Premium Account nutzen. Diese 12,5 Mio sind bereit jedes Jahr 120 EUR für ihre Lieblingskünstler auszugeben und das nur um sie zu hören. Der Unterschied zu dem goldenen Zeitalter, indem du deine Erfolge gefeiert hast, liegt viel mehr im Angebot.

  • Musik ist ständig und nahezu überall verfügbar.
  • Um heute ein Album zu produzieren braucht man nur noch einen Bruchteil dessen, was man früher brauchte.
  • Um ein Instrument zu lernen braucht man heute ebenfalls nur wenig Geld.
  • Das Internet liefert jede Menge Anleitungen und Videos.

Das Geld was den Fans zur Verfügung steht, wird heute nur unter viel mehr Künstlern aufgeteilt. Hier gilt es also die Nähe zu den Fans zu suchen, ihnen zu zu hören, in den Dialog zu gehen und sie willkommen zu heißen. Da reicht es heute nun mal einfach nicht mehr alle paar Jahre mal ein paar Songs zu schreiben und die sollen dann auch noch alle kaufen.

Die heutigen modernen Bands sind den alten Haudegen weit voraus. Sie besitzen Social Media Kompetenz, sie produzieren ihre Alben selbst, haben ihr Marketing im Griff und sind dennoch ganz nah bei ihren Fans. Und weißt du was? Die beschweren sich noch nicht mal darüber. Die sind mit voller Überzeugung leidenschaftliche Musiker und Leben trotzdem gut davon.

Ich zitiere diese neue Generation von Musikern gerne mal durch Dave Grohl.

I want People to hear our Music. I don´t care if you pay $1 or $20 for it, just listen to the fucking song.

Give them your music. And then go play a show. They like hearing your music? They´ll go see a show.

Das trifft meine Einstellung ziemlich genau. Bei dem unglaublichen Angebot an guten Bands und Songs haben wir als Musiker eine Aufgabe zu erfüllen, nämlich jedem da draußen zu ermöglichen, dass er unsere Songs hört. Wenn wir dann gute Songs geliefert haben, dann hat die Musik den Wert den du so vermisst. Dann wird er deine Musik überall mit hinnehmen, sie hören, sich darin verlieben, Gänsehaut bekommen, lachen, weinen und sie mit seinen Freunden teilen.

Wie sieht‘ jetzt aus mit dem Bier? Bei dir oder bei mir?

Comments

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8 thoughts on “Offener Brief an Herbert Grönemeyer zum Thema Gratiskultur im Internet

  1. Tja……wie geht man mit der neuen Welt um, oder als das Schießpulver erfunden wurde sind die Ritter ausgestorben.

    Als Musiker durfte ich da mehrmals Einschnitte im Musikbusiness erleben. Die Promillegrenze hat die Gäste in den Kneipen ferngehalten. Die Regionalen Radiosender zahlen keinen Tantiemen. Die GEMA zahlt auch nur noch, wenn es genügend Eintrittsgelder gibt für Liveauftritte. Die Plattenfirmen suchen sich nur die Sahnehäubchen. Das streichen der Studiengelder hat die Studenten aus dem Livebereich und Kneipen rausgeschubst. Die Clubs schließen mehrfach angesichts der hohen Gebühren. Die Anzahl der Musiker steigt.

    Was bleibt da noch? Das Internet?

    1. Lieber Peter. Ich durfte schmerzlich erfahren wie mein Job durch das Internet nahezu überflüssig wurde. Ich bin gelernter Drucker und arbeite dann heute als Social Media Manager. Ich weiß also sehr gut was es für uns Musiker heute bedeutet. Allerdings kann ich das ewige Jammern wie von Herrn Grönemeyer nicht mehr ertragen. Es gibt genügend positive Beispiele, dass man heute mehr als genug Geld mit der Musik verdienen kann. Man muss sich halt damit auseinandersetzen und anfreunden.

  2. Herr Grönemeyer selbst wird auf Spotify übrigens mit derzeit rund 46.000 Followern gelistet. Zum Vergleich: Die Sportfreunde Stiller haben rund 49.000 Follower.
    Meine Vermutung: Der gute Herr Grönemeyer hat sich die letzten 20 Jahre irgendwie durchgeschleppt und stellt nun fest, dass es so langsam, aber sicher den Anschluss verliert.
    Eine Gratiskultur im Internet möchte ich darüber hinaus keinem Nutzer vorwerfen – sondern vielmehr solchen Publishern (wie etwa Musikern!), die offenbar nicht in der Lage sind, ihr Produkt auch im Internet aqäquat zu vermarkten bzw. das Internet eben dazu entsprechend zu nutzen.

    1. Wie wahr. Wahrscheinlich braucht der liebe Herbert das Internet aber auch nicht mehr. Geld müsste er genug haben. Das sollte zum Lebensende reichen. 🙂

      1. Was seid ihr denn für Trolle? Ich bin bei facebook (2 Pages), bei YouTube, hab 4 Homepages; investiere nicht wenig Geld in AdWords-mach sogar bischen Guerilla in Foren-da geht so gut wie nix-NIX!
        Als „normaler“ Musiker kannst du dein Marketing im Web nicht so optimieren, dass es was bringt-das ist alles Scheisse, und zwar großgeschrieben. Du kommst aus der Blase nicht raus. Für mich seid ihr Schwätzer. Und zur Info-ich bin Berufsmusiker seit Jahrzehnten: Bandleader, Studioinhaber, Gitarrenlehrer, Aushilfe bei anderen Bands, Studio, „sogar“ ab & zu TV-ich könnte weitermachen; schreib das nur, weil evtl. der Gedanke aufkommen wird-ein Amateur, Möchtegern, Aufschneider. Mitnichten! Kommt her-bei einem Kaffee sag ich euch genau dasselbe ins Gesicht und wenn ich von euch was lernen kann, ist mir das nur recht.
        Tschüß

        1. Hallo Michael. Vielen Dank für die konstruktive Kritik. 🙂 Auf Flaming Kommentare antworte ich im Allgemeinen nicht besonders gerne, mach es in diesem Fall aber gerne. Ich denke, dass da sicherlich noch einiges ist, was du machen könntest. Das kannst du natürlich in Frage stellen, und dann bleibt es unbeantwortet, kannst dich dem ganzen aber auch stellen.
          Ich schreibe hier völlig kostenlos und gebe mein Wissen weiter. Ich habe nicht die Absicht mich hier als allwissend hin zu stellen, aber ich verdiene mein Geld damit nationale und internationale Marken zu beraten. So schlecht kann es also nicht sein.

          Zu dem Kaffee: Können wir wirklich gerne machen, aber dann solltest du zu mir kommen, denn bisher habe ich investiert. Die andere Möglichkeit wäre bei dir vorbei zu kommen. Ich gebe dort gerne einen Workshop, am besten für mehrere Musiker.

          1. Lieber Stefan-supernett, deine Antwort und deine coole Reaktion, obwohl mein Ton zwischen den Zeilen etwas ruppich war. Deine Tipps, die ich heute von dir „ernten“ konnte, zeugen von großer Kompetenz. Wenn der schnöde Mammon nicht wäre, würd´ ich dich glatt als meinen persönlichen Social-Networker einstellen 🙂 Keep on rockin´!

          2. Danke Michael. Mir hat es ebenso viel Spaß gebracht. Mir macht es Spaß zu helfen. So sollte es doch sein unter Muckern! Wir hören! 🙂

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